Johanna Sterrer / KARLA
Grafik, auf dem eine fahrradfahrende Mutter mit ihrem Kind und eine Gruppe abgebildet ist, die einem Gitarristen zuhören.

Arbeiten im Reallabor – Wo Theorie zur Praxis wird

Carola und Sopie posieren vor dem Zukunftsraum für ein Portrait. Karlsruher Transformationszentrum für Nachhaltigkeit und Kulturwandel
Sophie und Carola arbeiten beide als Hilfskräfte im Quartier Zukunft.

Im „Quartier Zukunft“ untersuchen Forschende gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, wie nachhaltiges Leben in der Stadt gelingen kann. Mittendrin sind auch die beiden Studentinnen Sophie und Carola als studentische Hilfskräfte. Sie werden dafür bezahlt, viel Praktisches zu lernen und vielfältige Perspektiven zu erleben.

„In der Uni lernt man die Theorie, nicht wie man diese einbringt. Hier im Reallabor kann ich sie in die Praxis umsetzen. Das macht einfach Sinn!“, begeistert sich Sophie Oleynik. Die Kommunikationsstudentin an der Uni Landau arbeitet seit sechs Monaten als studentische Hilfskraft im Reallabor „Quartier Zukunft – Labor Stadt“.

Forschung mitten im Leben

Reallabore sind außergewöhnliche Forschungskonstrukte. Dort arbeiten Forschende mitten im realen Leben, nicht hinter verschlossenen Türen. Und: Bürgerinnen und Bürger können sich direkt in Forschung und Entwicklung einbringen. Sieben Reallabore gibt es aktuell am KIT: Die Schwerpunkte reichen vom autonomen Fahren und künstlicher Intelligenz bis hin zur Frage, wie nachhaltiges Leben in einer Stadt gelingen kann – dem Hauptthema von „Quartier Zukunft – Labor Stadt“.

Angesiedelt in der Karlsruher Oststadt geht das Team aus rund 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter anderem aus Stadtplanung, Architektur und Philosophie unterschiedlichen Fragen nach: Wie nutzen Mieterinnen und Mieter Photovoltaik-Anlagen für Balkone? Wie können Klimaschutzmaßnahmen in der Stadt etabliert werden? Wie entsteht Partizipation? Das Reallabor wird vom Karlsruher Transformationszentrum für Nachhaltigkeit und Kulturwandel betrieben, welches am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des KIT beheimatet ist.

„Hier treffen so viele Menschen und Forschungshintergründe zusammen, dass man immer unterschiedliche Perspektiven mitbekommt. Das ist sehr antreibend“, findet Sophie. Aus dieser Vielfalt heraus schreibt sie Beiträge für die Social Media-Kanäle (Instagram ∂quartier_zukunft) und die Webseite des Reallabors, zehn Stunden pro Woche. Das hilft, um über die Runden zu kommen – aber der wahre Nutzen liegt woanders, so die 22-Jährige. Sie lerne verstärkt über den Tellerrand zu schauen und traue sich mehr zu.

Fachfremd? Interdisziplinär und kreativ!

Carola Becker sieht es ähnlich. Am Anfang habe sie als Bauingenieur-Studentin am KIT Hemmnisse gehabt, sich zu bewerben, weil sie fachfremd ist. Mittlerweile sind viele Zweifel verflogen. In den drei Monaten, die sie nun im „Quartier Zukunft“ als studentische Hilfskraft tätig ist, hat sie neue Tools und Berufsmöglichkeiten entdeckt. Mit der Vorbereitung des Girls‘Day 2023 mobilisiert sie bald weitere Kompetenzen.

„Als Technikerin macht es mir Spaß, auch interdisziplinärer und kreativer zu denken“, so die 26-Jährige. „Im Reallabor ist mir noch mal bewusst geworden, dass Technik nur mit den Menschen funktionieren kann. Die Energiewende hat eine große soziale Komponente, aber oft wird Technik ohne den Menschen gedacht.“

Sophie Oleynik und Carola Becker haben im „Quartier Zukunft“ ihren Platz gefunden. Auch Annett Winkle vom Reallabor sieht das Engagement der Studierenden rundum positiv. Ihre unterschiedlichen Fachrichtungen, ihre Jugend, die Vielfalt der Blicke, die sie einbringen: „Die Impulse und der Austausch mit den Studis sind für uns enorm wichtig.“ Eine Win-Win-Situation.

Text: Isabelle Hartmann
Titelgrafik: Johanna Sterrer / KARLA
Foto Carola und Sophia: Karlsruher Transformationszentrum für Nachhaltigkeit und Kulturwandel

9.3.2023